Optische Mimikry beim Eichelhäher

Started by AribertDeckers, October 12, 2026, 11:26:07 AM

AribertDeckers

12.10.2026
Optische Mimikry beim Eichelhäher


Hin und wieder kommen Schmetterlinge in den Garten um von den Blüten zu speisen. Besonders schön sind Tagfalter.

Ab und an nächtigt auch einer im Haus. Wenn man es nicht mitbekommt, bleibt er auch über den Winter. Ich habe schon solchen Besuch am 1. Januar bemerkt. Was macht man am 1. Januar, wenn es draußen friert und schneit, mit einem Pfauenauge in der Wohnung...?

Dieses Kerlchen saß Ende September auf der Wand - und war im absoluten Tiefschlaf:




Mit Blitzlicht fotografiert, damit man ihn besser erkennen kann:




Von oben fotografiert vor einem weißen Hintergrund, damit man sieht, daß man nichts sieht:



Hier das Foto in Originalgröße:

http://www.journalist.is/carlixon/pix/Tagfalter_03_1630.jpg


... und dann war er schon weggeflogen, bevor ich ihn von oben mit aufgeklappten Flügeln fotografieren konnte.


Im Sommer hat man bessere Karten, wenn es warm ist und der Löwenzahn blüht. Dieses Foto ist sogar vom April:




Das große Foto in Originalgröße:

http://www.journalist.is/carlixon/pix/Tagfalter_2_02_4608.jpg


Hier ist er ganz alleine zu sehen, ohne all das drumherum:





Von unten und von der Seite ist der Falter wunderbar geschützt durch dunkle Farben und feine Härchen. Aber der Rücken ist eine Gefahr.

Die Falter unterscheiden sich durch ihre Muster und ihre Farben. Das Tagpfauenauge hat auf jedem Flügel eine runde Fläche, die wie ein Auge aussieht.

Diese Mimikry ist bekannt. Manche Raupen exotischer Schmetterlinge sehen wegen farblich abgehobener "Augen" auf dem Körper aus wie Schlangen, also eindeutig abschreckend.



Andere Muster sind dunkel und haben einen Rand aus weißen Flecken - was ein Maul und die Zähne imitiert. Hier sieht man es in Bewegung bei einem Admiral, einem Tagfalter:

"ADMIRAL Schmetterling | auf Schmetterlingspflanze "Wasserdost""
https://www.youtube.com/watch?v=kGKvbHf3IMg




Als ich vor einigen Tagen von oben in einen Garten sah, lief dort ein Eichelhäher auf dem kurzen Englischen Rasen. Als ich meine Kamera ausgepackt hatte, war er leider schon weg.

Ich hatte Eichelhäher schon vor Jahren gesichtet, aber immer nur von der Seite und von unten, wenn sie in der Luft waren oder auf Zweigen saßen. Aber dieses Mal war es von oben - und genau von hinten! Das ist entscheidend. Denn nur so konnte ich sehen, was Räuber von oben sehen: einen schwarzen Fleck mit weißen Flecken darum. Der Rasen spielt hier die entscheidenden Rolle - und die Entfernung.

Für mich war das sofort ein eindeutiger Fall von optischer Mimikry. Aber Grok, die Künstliche Intelligenz von Twitter, behauptet, es gäbe bei Eichelhähern überhaupt keine optische Mimikry. Mimikry vielleicht, wenn man die Geräusche beachtet, die er nachmachen kann. Aber optische Mimikry wurde komplett ausgeschlossen.

Weil ich leider kein Foto machen konnte, habe ich im WWW nach passenden Bildern gesucht - und habe durch einen außergewöhnlichen Zufall tatsächlich ein Foto gefunden:




https://cdn.pixabay.com/photo/2017/03/19/14/43/jay-2156658_1280.jpg
Bild von Bernd Hildebrandt auf Pixabay

Für die Darstellung in meiner Web-Site mußte ich es auf 800 Pixel Breite verkleinern.

Wie man sieht, sieht man nichts. Bis auf die Tatsache, daß hinten eine farbige Fläche ist. Weil die Aufnahme den Vogel so nahe heranholt, bemerkt man nicht, was ich im Garten sehen konnte.

Also habe ich einen Versuch gemacht und genau diesen Vogel verkleinert und einmontiert in ein Bild des Gartens:





Die große grüne Fläche umschließt den Vogel, der ungefähr die Größe hat wie der echte Vogel. Einwandfrei zu erkennen: eine schwarze Fläche, umgeben von weißen Flecken. Ich halte das für eindeutig.


Die entscheidende Frage: Welchen Überlebensvorteil haben die Farbmuster für die jeweilige Art?

Das ist das einzige, was zählt: die Statistik, das Überleben.

Beim Eichelhäher ist das Muster nur von oben und von hinten zu erkennen, wenn er läuft oder auf etwas steht oder sitzt. Bei allem anderen sieht man zwar die farbigen Flächen auf den Flügeln, aber die bilden besonderen Muster. Aber gerade dann, wenn der Vogel besonders gefährdet ist - von hinten, wohin er nicht sehen kann - dann ist das Muster sichtbar.

Ich denke, daß in der Evolutionsbiologie noch über einige Dinge nachgedacht werden muß, die bisher vernachlässigt wurden.